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Gesunde Führung & Resilienz: Herausforderungen erkennen und meistern

Johannes Wirgler
Johannes Wirgler
Systemischer Coach & Unternehmensberater
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Gesunde Führung & Resilienz: Herausforderungen erkennen und meistern

    Am ersten Tag meines Jakobswegs bin ich 32 Kilometer gegangen. Viel zu schnell, und ehrlich gesagt dumm. Am Abend war ich völlig erschöpft, hatte Blasen an beiden Füßen, bin ins Bett gefallen und sofort eingeschlafen.

    Später habe ich gelernt, auf mein Tempo zu hören, und bin 65 Tage lang unterwegs gewesen, ohne aufzugeben. Nicht, weil ich mehr ausgehalten hätte. Sondern weil ich aufgehört habe, gegen mich selbst zu gehen.

    Genau darum geht es bei Resilienz in der Führung. Nicht darum, länger durchzuhalten. Sondern darum, das eigene Tempo zu kennen, die Belastung früh zu bemerken und den Rahmen so zu setzen, dass Leistung möglich bleibt, ohne dass Menschen dabei verschleißen.

    Was Resilienz für Führungskräfte wirklich heißt

    Resilienz wird oft mit Zähigkeit verwechselt. Gemeint ist die Fähigkeit, mit Belastung umzugehen, aus schwierigen Situationen zu lernen und dabei handlungsfähig zu bleiben. Drei Missverständnisse halten sich hartnäckig:

    • Resilienz ist keine Eigenschaft. Sie ist eine Kompetenz und lässt sich entwickeln, wie jede andere Führungskompetenz auch.
    • Resilienz ist keine Privatsache. Wer Bedingungen gestaltet, unter denen andere arbeiten, entscheidet mit darüber, wie belastbar ein Team ist.
    • Resilienz ist kein Ersatz für gute Organisation. Ein Atemkurs hilft nicht gegen eine dauerhaft unbesetzte Stelle.

    Sechs Belastungsfelder, die ich in Coachings am häufigsten sehe

    1. Dauerdruck und ständige Erreichbarkeit

    Arbeitsdruck und ständige Erreichbarkeit als Belastung für Führungskräfte

    Die ersten Nachrichten um sieben, die letzten nach zweiundzwanzig Uhr, dazwischen ein Kalender ohne Lücken. Das hält eine Weile. Danach sinkt zuerst die Entscheidungsqualität, dann die Geduld mit Menschen.

    Was hilft: feste Zeiten ohne Erreichbarkeit, im Kalender eingetragen wie ein Termin. Eine Priorisierung, die auch Nein sagt. Und die Frage aus meinem Artikel Weniger ist mehr: Was möchte ich entfernen?

    2. Grenzen, die verschwimmen

    Balance zwischen Beruf und Privatleben als Führungsaufgabe

    Das dringende Gespräch am Samstag, die Unterlagen am Sonntagabend. Wenn Arbeit und Privates ineinanderlaufen, fehlt der Ort, an dem Erholung stattfindet.

    Was hilft: Klare Anfangs- und Endzeiten, die Sie auch aussprechen. Ihr Team orientiert sich an Ihrem Verhalten, nicht an Ihren Absichtserklärungen.

    3. Nicht abgeben können

    Aufgaben delegieren und Verantwortung abgeben

    „Bis ich das erklärt habe, habe ich es selbst gemacht.“ Der Satz stimmt kurzfristig immer und langfristig nie. Er erzeugt Überlastung bei Ihnen und Stillstand im Team.

    Was hilft: Eine Aufgabe vollständig übergeben, samt Entscheidungsspielraum, und den ersten unvollkommenen Durchlauf aushalten. Vertrauen entsteht nur, wenn jemand die Gelegenheit bekommt, es zu rechtfertigen.

    4. Konflikte, die niemand anspricht

    Konflikte im Team früh ansprechen statt aussitzen

    Ungeklärte Spannungen kosten mehr Energie als die Arbeit selbst. Sie binden Aufmerksamkeit, auch abends, auch im Urlaub.

    Was hilft: Früh ansprechen, beschreibend statt bewertend, mit Blick auf das Verhalten und nicht auf die Person. Die Regeln dafür habe ich in Feedback – eine Hilfe aufgeschrieben.

    5. Keine Zeit für Reflexion

    Feste Zeiten für Selbstreflexion im Führungsalltag

    Wer nur reagiert, wiederholt Muster. Ohne Rückschau bleiben dieselben Fehler unentdeckt, und Rückmeldungen von außen fehlen ganz.

    Was hilft: Eine halbe Stunde pro Woche, fix im Kalender: Was ist gelungen, was hat Energie gekostet, was mache ich nächste Woche anders? Wer das allein schwer durchhält, holt sich ein regelmäßiges Gespräch von außen dazu.

    6. Selbstfürsorge zuletzt

    Selbstfürsorge als Teil gesunder Führung

    Essen zwischen zwei Terminen, Bewegung gestrichen, Schlaf als Verhandlungsmasse. Das ist keine Charakterschwäche, das ist eine Prioritätenfrage. Und Prioritäten setzen ist Führungsarbeit, auch bei sich selbst.

    Was hilft: Eine Sache, die wirklich stattfindet, statt eines guten Vorsatzes. Zu Fuß zum nächsten Termin. Mittagspause außer Haus. Ein freier Abend, der nicht verschoben wird.

    Warnzeichen, die Sie ernst nehmen sollten

    In Coachings höre ich diese Sätze immer wieder, bevor jemand ernsthaft ausfällt:

    • Sie werden schon nervös, wenn Sie an die unerledigten Aufgaben denken.
    • Zu Hause sind Ihre Gedanken den Großteil der freien Zeit im Büro.
    • Der Spaß an der Arbeit und an den Kolleg:innen ist eine ferne Erinnerung.
    • Sie werden häufiger krank, besonders zu Beginn des Urlaubs.
    • Sie schaffen es nicht mehr, nach der Arbeit abzuschalten.

    Einzeln ist jeder Punkt harmlos. Mehrere gleichzeitig über Wochen sind ein Signal, das keine weitere Bestätigung braucht. Dann ist es Zeit, etwas zu verändern, und zwar an den Bedingungen, nicht an der eigenen Härte.

    Drei Ebenen gesunder Führung

    Selbstführung als Basis

    Nur wer für sich selbst sorgt, kann andere gut führen. Dazu gehören Zeiteinteilung, bewusste Erholung und der Umgang mit den eigenen Grenzen. Grenzen sind nichts Festes: Was vor einem Jahr nicht möglich war, kann heute anders sein. Deshalb lohnt es, sie regelmäßig zu überprüfen, wie ich in Mut – ein Startpunkt beschrieben habe.

    Ein Klient hat mir erzählt, er habe jahrelang eine offene Tür gehabt: Wer etwas brauchte, kam herein. Gut gemeint, und am Ende des Tages war seine eigene Arbeit nicht angerührt. Heute hat er Öffnungszeiten, wie ein Geschäftslokal. Angefangen hat es mit einem Zettel an der Tür. Inzwischen ist es selbstverständlich, alle im Team wissen Bescheid, und niemand fühlt sich abgewiesen. Die Tür ist nicht zu. Sie ist nur nicht mehr immer offen.

    Psychologische Sicherheit im Team

    Teams, in denen Fehler besprochen werden können, sind belastbarer und produktiver. Das entsteht nicht durch eine Ankündigung, sondern dadurch, wie Sie auf die erste schlechte Nachricht reagieren. Diese eine Reaktion entscheidet, ob Sie die nächste noch erfahren.

    Resilienz als Teil der Kultur

    Solange Erschöpfung als persönliches Problem gilt, ändert sich nichts an den Ursachen. Nehmen Sie Belastung als Thema in Ihre Besprechungen: Wo ist die Last gerade zu hoch, was lassen wir weg, was verschieben wir? Das ist unbequem und wirkt schneller als jedes Gesundheitsprogramm.

    Wo fangen Sie an?

    Suchen Sie sich aus den sechs Feldern eines aus. Nicht das größte, sondern das, bei dem Sie diese Woche etwas verändern können. Resilienz entsteht nicht aus einem Vorsatz, sondern aus einer Gewohnheit, die hält.

    Und wenn Sie merken, dass Sie im Kreis gehen: In einem kostenfreien Erstgespräch von 30 Minuten schauen wir gemeinsam, wo Ihre Energie hingeht. Gesunde Führung im Überblick oder gleich einen Termin wählen.

    Johannes Wirgler
    Über den Autor
    Johannes Wirgler
    Systemischer Coach · Unternehmensberater · Lehrbeauftragter FH Wien

    20 Jahre IT, davon 10 in Führungsverantwortung. Systemischer Coach (ISO 17024), Lehrender an FH Campus Wien und FH Technikum Wien. Ich begleite Führungskräfte und Organisationen dabei, Führung gesund, klar und wirksam zu gestalten.

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